Quo Vadis Webdesign?

Firmen verlagern immer mehr ihr Geschäft ins Internet, dennoch ist der Anteil an „schlecht“ erstellten Webseiten seid Jahren gleich hoch.

Was heißt im Bereich Webdesign „schlecht“ überhaupt? Oder besser gefragt: Was heißt „schlechtes Design“? In Gesprächen hört man häufig folgendes Argument: „Wenn mir die Webseite gefällt, ist dass doch völlig okay!“. Nein, setzen, 6! Leider daneben, denn eine Webseite dient nicht dem eigenen Vergnügen, sondern soll den Kunden ansprechen.

  1. Wenn mit einer Webseite Geld verdient werden soll, spielt es keine Rolle, ob die Webseite dem Betreiber persönlich gefällt oder nicht. Das hört sich vielleicht seltsam an, aber wenn die Webseite einer Gruppe gefallen soll, dann ist es die Gruppe von Menschen, die später Geld auf der Webseite lässt. Und das sind immer die Kunden, nicht der Besitzer. Ergo: Die Webseite sollte in erster Linie dem potentiellen Kunden gefallen, nicht dem Betreiber. Wenn die Webseite dem Betreiber ebenfalls gefällt: gut so.
  2. Sicherlich gefällt dem „normalen“ Menschen seine selbstgestaltete Werbung oder Webseite. Das Internet ist voll mit tollen Schriftarten, kleinen Cliparts, blinkenden Gifs und Flash-Animationen… Damit wird alles vollgepackt und deshalb sieht es toll aus. Nein, tuts nicht, definitiv nicht. Ein ehrlicher Vergleich zwischen der eigenen Webseite mit all diesen tollen Sachen und einer proffessionell erstellten Webseite wirds zeigen: Es kommt nicht nur auf das „wie“ sondern auch auf das „wieviel“ an. Wie bei Bademoden: Weniger ist mehr :).
  3. Das Internet und gängige Fachzeitschriften sind voll mit Angeboten, mit deren Hilfe man innerhalb von 2 Minuten und ohne jegliche Programmiertechnik eine tolle Webseite mit allen erdenklichen Funktionen erstellen kann. Oh Gott, man stelle sich so etwas im Bereich von Autos vor: Bau dir innerhalb von einem Tag ein Auto ohne Vorkenntnisse zusammen… Spass beiseite. Wohin so etwas führt, durfte ich während meiner Zeit bei einer Suchmaschinenoptimierungsfirma sehen. Webseiten, die nicht nur optisch eine Katastrophe waren sondern auch programmiertechnisch. Da wurde alles wild zusammengeklatsch, teilweise war das HTML-Markup so zerschossen das der W3C Validator die Flügel von sich streckte… Summa Summarum: Nicht nur die Gestaltung, sondern auch die Programmierung ist wichtig.

Wieso das Ganze? Punkt 1 und 2 meiner Aufzählung dreht sich um die visuelle Gestaltung einer Webseite. Wieso ist die wichtig? Eine gut gestaltete Webseite vermittelt dem Besucher das Gefühl von Seriosität, Sicherheit und Proffessionalität. Alles drei wichtige Gefühle bei einer Kaufentscheidung. Wer kauft nicht lieber in einem seriösen Geschäft ein, als in einer Ramschbude?

Punkt 3 meiner Aufzählung dreht sich um die Programmierung einer Webseite. Es langt nicht nur, eine hübsche Webseite sein Eigen zu nennen, diese Webseite muss auch gefunden werden. Dazu muss sie für Suchmaschinen optimiert werden. Sowohl der Code, als auch die Geschwindigkeit einer Webseite ist dafür ausschlaggebend. Wieso? Auf die Frage hin, welches die Limits für Google seien, antwortete ein Mitarbeiter der bekanntesten Suchmaschine: „Strom und Bandbreite“. Das wiederum bedeutet, dass Google (und nicht nur Google) Webseiten mit kurzen Ladezeiten eindeutig bevorzugt, was wiederum bedeutet, dass solche Webseiten eine höhere Chance auf ein gutes Ranking haben.

Was aber hat das nun alles mit dem Titel des Posts zu tun? Eigentlich ist alles, was ich hier beschrieben und erklärt habe leicht zu verstehen und einleuchtend, dennoch halten sich viele Webseiten entweder aus Unwissenheit oder aus irgendeinem anderen Grund nicht an diese simplen Regeln.

Hauptgrund hierfür ist meiner Meinung nach, dass viele Webseiten immer noch vom „Sohn des Chefs der Personalabteilung“ zuhause gebastelt werden, weil es auf den ersten Blick billiger ist, als einen Profi damit zu beauftragen. Denn „Webdesigner“ kann sich jeder schimpfen. Die Berufsbezeichnung des Webdesigners ist nicht geschützt, was wiederum bedeutet, dass sich auch der 14 jährige Sohn des Chefs der Personalabteilung so nennen darf. Und was bedeutet das wiederum? Das die Berufsbezeichnung „Webdesigner“ kein Qualitätsmerkmal ist. Obwohl ich als Webdesigner arbeite und auch eine Ausbildung zum Mediengestalter Fachrichtung Design Nonprint hinter mir habe, werde ich einen Teufel tun und mich Webdesigner nennen.

Was bleibt also für die Zukunft? Ein Meilenstein für die Entwicklung des Berufes „Webdesigner“ wäre eine verbindliche Ausbildung, nicht so etwas, wie es heutzutage als Nebenprodukt der Mediengestalter Print angeboten wird. Besonders im Raum Trier noch eine Katastrophe. Denn nicht nur das Gestalten gehört zum täglichen Brot des Webdesigners, sondern auch das semantisch korrekte Schreiben von HTML/CSS Code, Webprogrammierung und Suchmaschinenoptimierung. Das sind drei riesige Schlachtfelder, die man mit zwei Stunden „Multimedia“ auf der Berufsschule nicht abarbeiten kann. Notwendig wäre also ein eigener Unterricht.

In der Zwischenzeit werde ich mich weiter anders nennen und warten, bis die Berufsbezeichnung des Webdesigners geschützt wird.

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8 Kommentare for “Quo Vadis Webdesign?”

  1. 9. Januar 2009, 16:04
    Dietmar sagt:

    Ich bin gespannt, ob jemand eine andere Meinung hat…

  2. 24. Januar 2009, 23:56
    Sesso sagt:

    Great site.

  3. 18. März 2009, 17:36
    Agnes sagt:

    Hallo Dietmar,
    bin auf der Suche nach jemandem der mir eine wirklich gute Internetseite bauen kann – mit Shop etc. Bei dieser Recherche im Net bin ich auf ihren Artikel gestoßen und denke ich könnte hier auf dem richtigen Weg sein. Den Artikel find ich sehr gut – genau umdie darin beschriebenen Fehler zu vermeiden bin ich auf der Suche nach einem Profi. Vielleicht habich ihn ja schon gefunden. Freu mich auf eine Mail.
    Gruß
    Agnes

  4. 10. Dezember 2009, 18:04
    Robert sagt:

    Hallo, ich möchte auch etwas dazu sagen. Man lernt in der Vorlesung „Software-Ergonomie“, dass man rot und blau niemals vewenden sollte. Leider sehe immer wiedemal Webseiten, wo wirklich blau und rot zusammen verwendet werden…

  5. 19. Dezember 2009, 02:24
    Dietmar sagt:

    @Robert: Hm… ganz ohne rot und blau wäre das Leben doch etwas trist, oder? Vielleicht sollte man nicht rot auf blau oder balu auf rot verwenden? Denn das gibt ganz eklige Effekte (genau wie rot und grün).

  6. 26. Dezember 2009, 03:04
    webdesign-aj sagt:

    Den ersten Punkt, finde ich am aller tollsten und richtigsten! Jedoch mach dem Kundne mal klar, dass er absolut keine Ahnung von „Schönheit“ hat ^^

  7. 29. Dezember 2009, 15:04
    Brustvergrößerung sagt:

    Dieses Problem tritt aber bei Weitem nicht nur im Bereich Webseiten auf.
    Der ganz einfache grund hierfür ist das fehlende Budget der Firmen (bzw. der fehlende Wille, mehr Budget dafür aufzubringen… da, wie Du schon sagst sich jeder 14-jährige „Webdesigner“ schimpfen darf, gibt es so viele billige oder sogar gratis Angebote im Internet… „Warum viel geld ausgeben?“ fragt sich der Auftraggeber.

    Ganz einfach: Weil man mit einer besser gestalteten Webseite mehr Professionalität, mehr Vertrauenswürdigkeit ausstrahlt und die Verkäufe steigert (oder was auch immer man anbietet).

    Rückfrage: Du brauchst eine neue Jeans und hast die Wahl zwischen 2 sehr ähnlichen. Eine kostet 30€ die andere 90€. Du weisst, dass die für 90 besser ist und viel länger hält, …aber Du musst schliesslich auch noch Weihnachtsgeschenke für die Freundin kaufen, willst noch ins Kino etc. Welche kaufst Du?
    Ich kaufe auf jeden Fall die billige… In zwei Monaten ärgere ich mich natürlich tierisch, weil Sie schon kaputt ist… und kaufe ne neue (wieder die Billige)…schliesslich brauch ich ja auch noch n Shirt…

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